Dieses Wochenende wird der
Mittherbst gefeiert, ich würde es mit dem deutschen Erntedankfest oder so vergleichen. Früher wurden traditionelle Speisen beim gemeinsamen Beisammensein gegessen. Manche dieser Traditionen sind auch bis heute beibehalten, so werden um diese Zeit
Mondkuchen gegessen, die meist (wie es Sinn macht) rund und oftmals auch aufwendig verziert sind. Mir wurde gesagt, dass seit einem ungefähren Jahrzehnt der Mittherbst aber meist anders gefeiert wird. Man sieht eigentlich an allen halbwegs ruhigen Orten kleinere und größere Gruppen, die sich um Einweggrills versammeln und so zusammen bei
Barbecue Mittherbst feiern und den Mond bestaunen. So tat es dann auch mein Cheerleading Team. Wir sind am nachmittag in den
Carrefour (bzw.
家樂福 – "fröhliches Familienglück") und haben dort alles was man so zum Grillen für 45 Leute braucht gekauft. Auf dem Einkaufsplan standen neben Grillfleisch Muscheln, Pilze, Fishcake
Tempura und Schweineblutkuchen, um mal wörtlich zu übersetzen.
Schweineblutkuchen ist quasi die Taiwanesische Variante von Blutwurst, nur auf Reisbasis. Im Carrefour ist mir auch noch was sehr witziges und hier wohl alltägliches aufgefallen. Auf einmal ging an einer der vielen Theken Geschreie los.

Mit
Mikrofon und den erforderlichen
Rabattaufklebern auf den Armen bewaffnet, machte sich ein Trupp von 4 Leuten auf ins Gefecht, die bis dahin kaum interessierten aber dann zuströmenden Massen an Kundschaft zu bewältigen. Das Foto ist leider erst zum Ende geschossen, aber es war ein wirklicher Ansturm aus dem Nichts. Ob das auch in Europa funktionieren würde? Ich weiß es nicht. Ich werd wohl mal versuchen müssen eine Diskussionsrunde im International Marketing Kurs einzuleiten.
Nach dem Einkaufsmarathon noch schnell in das Restaurant der Eltern eines Teammitgliedes und die letzten Vorbereitungen getroffen und dann auf zum verlassenen Basketballplatz unter irgendeiner Brücke. Beim Grillen konnte ich leider nicht das in Essen perfektionierte Grillanzünden mit Kamintechnik (aus Nicos schlauem Buch für richtige Männer:D) demonstrieren, wohl aber wie man Kronkorken von einer Bierflasche mit einer zweiten Bierflasche entfernt. Da haben alle nicht schlecht geguckt als ich das im Carrefour zuvor erstandene deutsche
Schwarzbier (Erdinger Dunkel – was anderes gabs nicht) auf diese Weise verteilt hab. Aber auch andere deutsche Sachen gabs an dem Abend – Im Hintergrund lief dann nämlich auch mal irgendwann Evacuate the dancefloor von Escada. Gut darauf bin ich jetzt nicht unbedingt stolz, aber es geht ja noch weiter. Ich stand da und unterhielt mich mit Candice bis meine Ohren irgendwas seltsames wahrnahmen: Ich gehe näher an die Boxen und es ist deutsche Rapmusik, die ich nicht kenne, aber mein Bruder vielleicht. Nach Nachfrage kam raus, dass einer im Team bei Youtube quer nach Liedern mit dem Teamnamen im Titel gesucht hat und auf einen solchen von einem
Berliner Rapper gestoßen ist. Verdutzt davon vor den Boxen stehend endete das Lied und das nächste sollte dann auch eins sein, dass ich kannte:
Monsterparty von den Ärzten. Ich wiederhole mich zwar, aber: Sachen gibts!

Auch wenn die Kommunikation natürlich noch nicht mit allen reibungslos klappt, hat es einen Riesenspaß gemacht und war eine gute Gelegenheit für den Einstand^^
Heute habe ich mich zum Mittag mit meinem Volunteer Pin-Zhi getroffen und danach haben wir uns geschlagene 3,5h in die Lobby des Wohnheims gesetzt und parallel
Deutsch und
Chinesisch gelernt. Das wollen wir jetzt jede Woche mindestens einmal regelmäßig am Freitag machen und es ist glaube ich sehr effektiv. Durch das Beibringen und gleichzeitige Übersetzen der einfachsten Satzstrukturen, prägen sich diese nämlich sehr gut ein... jaja hat doch schon Seneca gesagt „
Docendo discimus“ :-P
Ich habe auch noch überlegt ob ich nicht mit bereits erwähnter Candice clubben gehe, aber meine Verfassung ist grad irgendwie nicht ganz so gut. Halsschmerzen, laufende Nase und ein wenig allgemeines Unwohlsein. Ich hab mich bestimmt im internationalen Umfeld des Dorms mit der gehypten
Schweinegrippe infiziert, die anscheinend nicht mal halb so gefährlich ist wie sonstige Grippewellen... aber manche Musiker schaffen es ja auch ohne großes Talent ins Fernsehen. Egal was es ist, es ist nicht weiter schlimm und wird auch schon besser. Ich bleibe trotzdem lieber anständig zuhause und betreibe ausnahmsweise mal keinen
Raubbau an meinem Körper.
Sonst spricht man hier auf des öfteren über die beiden Taifune
Parma und Melor, die relativ nah an Taiwan sind. Zumindest einer von beiden sollte eigentlich Anfang nächster Woche Landfall in Taiwan machen. Mittlerweile ist auch das schon wieder fraglich, sodass man viele verschiedene Aussagen findet. Einer kommt, beide kommen, keiner kommt, ein dritter zwischen den beiden kommt, sie vereinen sich und einer kommt. Egal was für Nachrichten ihr nächste Woche vielleicht über diese Wind- und Regenmassen hört. Hier in Taipei wird es mir gut gehen, das
Gebäude steht auf festem Grund, ist nicht aus Pappe und Hügel aus Ausgangspunkt für Schlammlawinen sind viel zu weit entfernt.
Jetzt habe ich auch schon wieder genug geschrieben. Morgen heißt es kurz mal gucken was an den Gerüchten über asiatische
Tischtennismeister so dran ist, Mittag essen mit Yuki und Masako und
Multiple Martial Arts Fighting Night im Luxy. Das wird hoffentlich einen neuen Eintrag wert.
Bis dann und
晚安岳虎